Roberts Unfall-Tagebuch

Robert stand in seinem gastronomischen Beruf in einer begrenzten Öffentlichkeit, aber in der Öffentlichkeit der sozialen Netzwerke hatte er sich immer zurückgehalten und auch keinerlei Bilder von sich gepostet. Jetzt jedoch wird Robert diesen öffentlichen Weg gehen, denn mit Auszügen aus seinem Unfall-Tagebuch möchte Robert anderen Betroffenen und deren Angehörigen etwas Mut zusprechen und ihnen mitteilen: Gebt nie auf! Aufgeben kam auch für uns nie in Frage und die Familie hat sich geschworen, Robert wird keinen Tag alleine sein und so haben wir uns innerhalb der Familie organisiert und sind unserem Schwur bis heute treu geblieben. Priorität hat - was wir lieben!

Warum wir überhaupt dieses tragische Geschehen mit Bildern & Videos dokumentiert haben, erklären wir unter dem Link „Tipps für Angehörige“. Wenn wir von „WIR“ sprechen, so sind insbesondere seine Frau Svenja, Roberts absolut wichtigste Bezugsperson, sowie seine zwei Schwestern und seine Eltern gemeint. Aber auch Oma, Nichte, Schwägerin, Schwager... waren immer für ihn da!

Am 10.12.2016, gegen 2 Uhr, wurde Robert, auf der Bundesstraße 4, von einem LKW, welchen er gerade überholte, abgedrängt und prallte gegen zwei Bäume (Roberts Aussage vom 18.05.2017). Glücklicherweise wurde Robert sofort von Ersthelfern, denen wir unschätzbar dankbar sind und die wir leider nicht ermitteln konnten, beatmet und versorgt. Robert kam, da er neben vielen anderen Verletzungen, ein offenes Schädel-Hirn-Trauma hatte und dies im nahegelegenem Krankenhaus in Lüneburg nicht behandelt werden konnte, in die Asklepios St. Georg (Hamburg). Wir bedanken uns herzlichst bei den Ersthelfern, die sich bitte bei uns melden mögen, sollten sie hiervon erfahren, bei den Feuerwehren Bienenbüttel und Melbeck, bei den Rettungsärzten, der Notaufnahme, der Belegschaft der Intensivstation und allen, die in dieser schweren Zeit für Robert da waren.



10.12.16

Der Unfall

Da trotz Zeugenaussage eines davor fahrenden LKW, welcher im Spiegel beobachtete, dass der LKW hinter ihm mehrmals auf die Gegenfahrbahn fuhr und er nicht sagen kann, ob ein Ausscheren des LKW mitursächlich für den Unfall war, wurde dies von der Polizei nicht untersucht.

10.12.16

Der Unfall

Der „mögliche“ Unfallverursacher, welcher aus Spanien kam, wurde mit der Begründung „er konnte kein deutsch“ nicht vernommen. Den dadurch möglicherweise entstandenen Versicherungsschaden, darf Robert nun selbst tragen.

10.12.16

Der Unfall

Dass Robert noch am Leben ist grenzt an ein Wunder, da er ein schweres Schädel-Hirn-Trauma mit diffuser axonaler Schädigung hatte, welche bei ca. 40 % der tödlich verlaufenden SHT, als Hauptursache gilt.

10.12.16

Erster Tag Intensivstation

Intensivstation
Diagnose
Offenes SHT - diffuser axonaler Schaden und multiple Parenchymeinblutungen
Felsbeinfraktur links
Lungenkontusion rechts
Kleine Pneumothoraces bds
Vordere Beckenringfraktur
Fraktur Os Sacrum massa lateralis rechts
Tuberculum majus Absprengung rechts
Transcondyläre Humerusfraktur distal rechts
LWK Querfortsatz (LWK 4 bds, LWK 5 links, LWK 1+2 rechts)
Kopfplatzwunde oczipital

Die ersten 24 Stunden Angst, denn in dieser Zeit kann der Hirndruck noch steigen und zum Tode führen. Um dieses Risiko einzudämmen, wurde Robert in ein künstliches Koma gelegt. Sein offenes SHT ist ein Schädelbruch, zum Glück keine Löcher und keine Splitter.

Schaurige Töne

14.12.16 – Hier die Geräuschkulisse des Bangens, deren 3 Wochen uns vorkamen wie eine Ewigkeit und die wir keinem wünschen. Der Hirndruck ist glücklicherweise nicht gestiegen und Robert musste nicht Operiert werden. Dennoch ist er noch lange nicht außer Lebensgefahr, aber stabil genug, um das künstliche Koma zu beenden und ihn aufwachen zu lassen.

17.12.16

Nun auch noch ein Keim

Roberts Bettnachbar hatte einen Keim und so musste Robert vorsorglich in Quarantäne. Für uns hieß dies, immer die volle Montur anziehen und schwitzen. Aber das Schlimmere war, das diese Montur Robert vielleicht Angst bereiten könnte und das Robert uns nicht erkennen konnte. Deshalb haben wir ihm immer wieder die Situation erklärt, in der Hoffnung, dass es zu ihm durchdringt. Das künstliche Koma wurde vollständig beendet, aber Robert wird nicht wach. Die Ängste nehmen mit jeder Minute weiter zu.

19.12.16

Trachealkanüle

Die Beatmung geht hier noch über den Mund. Am 21.12.16 wird Robert eine Trachealkanüle gelegt. Die Trachealbeatmung birgt weniger Risiko für Infekte und Lungenentzündungen. Auch sein rechter Arm, welcher unglücklicherweise genau über dem Ellenbogengelenk gebrochen ist, wird mit operiert. Da eine frühzeitige Versorgung des Armes nicht möglich war, ist Knochenflüssigkeit ins Gewebe gedrungen und verhärtet. Durch viel Therapie muss diese Verhärtung abgebaut werden. Robert ist noch nicht wach und wir kämpfen mit erdrückenden Gefühlen der Hilflosigkeit, da keiner Voraussagen kann, ob er jemals wieder zu Bewusstsein kommt.

20.12.16

Erste Hoffnungen

Robert wurde für einige Minuten von der Beatmungsmaschine getrennt und atmet selbständig. Nun wird er in den kommenden Tagen immer öfter von der Beatmung getrennt, damit er seine eigene Atmung wieder aufbauen kann. Ab morgen wird die Beatmung über die Trachealkanüle erfolgen, auf diese später ein Filter gesetzt wird. Die Trachealkanüle erleichtert ihm vorerst die Atmung.

23.12.16

Die PEG-Anlage

Heute wurde die Magensonde (PEG) gelegt. Langsam wird Roberts Gesicht wieder erkennbar, auch die Verkabelungen und Medikamentenzugabe werden weniger. Seine Überlebenschancen sind inzwischen bei fast 100% und wir etwas beruhigter. Allerdings hält diese Beruhigung nur kurz an, denn es machen sich schon die nächsten Ängste breit. Wird er wieder aufwachen?

18.01.17

Außer Lebengefahr

Weihnachten ist vorbei, wir haben nichts davon bemerkt, doch dafür hatten wir Silvester einen Grund zum Anstoßen. Am 29.12.16 wurde Robert von der Intensivstation entlassen (außer Lebensgefahr!) und ist in die fachübergreifende Frühreha gekommen. Dort konnte man in den ersten Tagen noch nicht viel mit Robert unternehmen, da es noch keine Belastungsfreigabe von den Unfallchirurgen gab. Einige Aktivitäten, dass Robert durch die Aktionen in der Frühreha wieder zu Bewusstsein kommt, machten Hoffnung. Robert hat sich am 15.01.17 die Trachealkanüle selbst gezogen und atmet ohne Komplikationen über Nase und Mund.

10.02.17

Frühreha

Nach 4 Wochen Frühreha und vielen Aktivitäten, ist Robert leider noch nicht zu Bewusstsein gekommen. Da die Angst inzwischen unser ständiger Begleiter ist, haben wir zwar gelernt mit dieser umzugehen, aber es macht sie dadurch nicht weniger und auch nicht weniger erträglich. Zuhause weinen wir gemeinsam in die Kissen, doch bei Robert sind wir stark und bringen ihm positive Energie mit.

Ende Januar teilte man uns mit, dass wir uns um einen Langzeitpflegeplatz kümmern sollten, da man hier nichts mehr für ihn tun kann. Langzeitpflege? Robert wurde aufgegeben, aber nicht von uns! Für uns war klar, Robert wird sein Leben, ganz gleich wie es verlaufen sollte, nicht in einer Langzeitpflege verbringen, sondern dort wo er hingehört, bei seiner Familie. Da wir nicht mit solch kurzer Reha gerechnet hatten und wir förmlich von dieser Situation überrannt wurden, entschieden wir uns übergangsweise für eine Pflegeeinrichtung. Nun hieß es planen. Wohnung, Haus, umbauen, neubauen, nur für Svenja und Robert, oder mit der gesamten Familie?

Doch was ist mit den Therapien, wo doch laut Aussage der Ärzte, die ersten 2 Jahre zählen und frühzeitige, sowie anhaltende Therapien, das Wichtigste sind? Externe Therapien sind ein extremer Aufwand und in einer Bedarfsmenge kaum umsetzbar. Die Idee „Kopf-Reha“ war geboren. Vor zwei Tagen war Roberts Geburtstag, wir haben ihn in unsere Mitte genommen und mit Kaffee und Kuchen seinen Geburtstag gefeiert. Dank eines guten Freundes, welcher uns bei der Umsetzung der Webseite unterstützt, konnten wir heute die Seite online stellen. Für uns hatte dies einen sehr großen symbolischen Wert.